Reisen

Mein Covid-19 Flug von Kanada nach Deutschland

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Ein Erfahrungsbericht

Eigentlich war ich davon überzeugt, während dieser interessanten Zeit, in der wir uns im Moment befinden, nicht unbedingt reisen zu wollen. Aber aufgrund eines familiären Notfalls musste ich mich dann am Sonntag, 9. August doch in den Flieger Richtung Deutschland setzen.

Von Whitehorse nach Frankfurt, oder das Reisen mit Air Canada, Lufthansa und drei verschiedenen Flughäfen während der COVID-19 Pandemie. Nachfolgend mein Erfahrungsbericht zu diesem Abenteuer der besonderen Art, unserem ersten Covid-19 Flug.

Von Whitehorse nach Vancouver mit Air Canada

Am Flughafen gibt es, wie in jedem Flughafen in Kanada, eine Maskenpflicht. Jedoch sind die Flughäfen aufgrund der geringen Auslastung auch nahezu menschenleer.

Der Check-In in Whitehorse ist schnell erledigt. Es wird die Temperatur gemessen. Danach geht es zum Security Check und eine Stunde später zum Boarding. Beim Betreten des Fliegers bekommt jeder Fluggast eine kleine Tüte mit Desinfektionsmittel, eine Flasche Wasser, eine Maske und eine kleine Covid-19 Information.

Alle Sitze könnten theoretisch besetzt werden, jedoch scheint die Nachfrage für den morgendlichen Flug nicht zu groß zu sein, wir haben freie Platzwahl. Es folgt eine Ansage, dass das Tragen der Masken Pflicht ist und diese nicht abgenommen werden dürfen, ausser man will etwas trinken oder essen.

Der Ausstieg nach der Landung ist, typisch kanadisch, relativ organisiert, jedoch ohne weiteren Hinweise durch das Personal.

Vancouver Airport

Anzeigetafel der Abflüge und Ankünfte auf dem Internationalen Flughafen in Vancouver am 9. August 2020. Die Covid-19 Krise
hat den Luftverkehr immer noch im Griff. Foto Tobias Barth
Anzeigetafel der Abflüge und Ankünfte auf dem Internationalen Flughafen in Vancouver am 9. August 2020.
Die Covid-19 Krise hat den Luftverkehr immer noch im Griff. Foto Tobias Barth

Auch der Flughafen in Vancouver ist relativ leer. Mit nur rund 15 internationalen Flügen an diesem Tag ist der Luftlandeplatz auch in seiner ruhigsten Phase seit dem Bau.

Nach dem Verlassen des Fliegers gehe ich ins Outlet Center, damit ich der Maskenpflicht im Flughafen entkomme. Dazu ist es warm und sonnig, etwas, dass es in diesem Sommer in Whitehorse nicht wirklich gab. Im Öffentlichen Personen Nahverkehr in Vancouver gilt auch Maskenpflicht, diese wird generell sehr gut eingehalten.

Im Outlet Center wird man darauf hingewiesen, den 2-Meter Abstand einzuhalten. Ebenso wird darum gebeten, die Masken in den öffentlichen, nicht überdachten Bereichen zu tragen, um damit sich selbst und andere zu schützen.

In den meisten Geschäften herrscht Maskenpflicht und es sind nur eine bestimmte Anzahl an Besuchern auf einmal im Shop erlaubt, was von Security Personal überwacht wird.

Zurück im Flughafen geht es dann zum Security Checkin. In Vancouver wird wieder die Temperatur gemessen, dazu musste auch ein Formular ausgefüllt werden mit den bekannten Corona-Fragen.

Nach negativem Temperaturtest geht es dann zur Kontrolle und zum Gate.

Lufthansa und der Langstreckenflug

Es warten nicht viele Menschen am Gate zum Lufthansa Flug an diesem Sonntag. Der Einstieg ist verhältnismässig entspannt, jedoch unorganisiert. Das Personal am Flughafen korrigiert das während des Boardings und versucht lange Warteschlangen vor dem Einstieg zu vermeiden. Alles in allem funktioniert das gut. Die meisten Menschen tragen die Maske korrekt und halten sich an die vorgegebenen Regeln.

Die Lufthansa bietet im Gegensatz zu Air Canada bei diesem Covid-19 Flug KEINE Masken, Desinfektionsmittel und andere Corona-Massnahmen an. Auch hier sind seit kurzem alle Plätze verfügbar, jedoch ist der Flug nur maximal zu 25 bis 30 Prozent  ausgelastet, somit hatte jeder Fluggast genug Platz und Sicherheit.

Ich habe mit dem Bieter-Verfahren einen Platz in der Premium Economy bekommen. Jedoch lohnt sich der Aufpreis zu Corona-Zeiten nur, wenn man wirklich den etwas größeren Platz benötigt. Der Service und das angebotene Essen ist jeweils mit dem Angebot der Economy Class identisch.

Die Flugbegleiter von Lufthansa tragen alle Maske, es wird darauf hingewiesen, dass die Maske während des gesamten Fluges zu tragen ist und nur zum Essen und Trinken kurz abgenommen werden darf.

Ich entscheide mich, meine Maske alle 2 bis 3 Stunden zu wechseln, da es mit der Zeit recht unangenehm wird und eine frische Maske das Tragen etwas erleichtert.

Das Essen wird serviert wie vor Corona, keine besonderen Massnahmen. Gleiches gilt für die Getränke. Jedoch kommt der Service nur zweimal. Einmal fürs Abendessen, dann kurz vor der Landung zum Frühstück.

Bei meinen Besuchen der Toilette trage ich Einmalhandschuhe, die ich danach direkt wegwerfe und meine Hände desinfiziere. Dazu versuche ich möglichst wenig anzufassen. Wichtig zu wissen: Lufthansa stellt nirgendwo im Flieger Desinfektionsmittel zur Verfügung, auch nicht auf den Toiletten!

Nachdem das Einsteigen etwas ungünstig organisiert war, ist das Aussteigen wesentlich besser. Jeder muss so lange sitzen bleiben, bis die Sitzreihe aufgerufen wird. Das macht es schnell und relativ COVID-sicher. Vielleicht ein Modell mit Zukunft, um diesen Stress, den manche produzieren, um dann beim Gepäckband 30 Minuten zu warten, einzuschränken?!

Lufthansa’s Flugbegleiter und COVID-19

Ich nutze die anstrengende Zeit, um mit einigen der Flugbegleitern über die neue Situation zu sprechen. Die Älteren haben mehr Angst, sich anzustecken. Die Jüngeren hingegen, haben mehr Angst um den Job, da keiner weiss, wie es weiter geht.

Generell ist das Tragen der Maske ok, man gewöhnt sich daran. Der Service ist eingeschränkt, somit ist es weniger Stress für die sonst recht umtriebigen Steward/essen. Leider, so sagen einige, fällt der schöne und tolle Teil der Arbeit derzeit den Quarantänenpflichten ins Wasser. Statt Shopping und Sightseeing sind zwei Tage im Hotel angesagt und das in einer so großartigen Stadt wie Vancouver.

Ich frage auch nach den Massnahmen und Vorbereitungen für einen Covid-19 Flug. Die Auskunft, die ich erhalte, ist nicht sonderlich vertrauensbildend. Es gäbe keine Massnahmen, wenn es während eines Fluges einen Gast mit klaren Symptomen gäben würde. “Wir können ja nicht isolieren!”, wird als Begründung genannt. Ebenso bekomme ich keine klare Antwort auf die Frage, ob der Flieger nach jedem Flug desinfiziert wird.

Während des Fluges müssen alle Gäste an Bord ein Formular zweimal ausfüllen, so wie es von der Bundesregierung gefordert wird. Woher kommt man, wohin geht man, hatte man schon positive Tests, etc. Eines der Formulare bleibt bei der Lufthansa, das andere sollte irgendwo auf dem Flughafen abgegeben werden.

Frankfurt Flughafen – der Zielflughafen unseres Covid-19 Fluges

Am Frankfurter Flughafen angekommen sieht die Situation anders aus. Viel mehr Menschen als noch in Vancouver, dieselben Massnahmen. Auffällig hier, dass einige Menschen keine Maske tragen. Dies ist nicht nur unverantwortlich gegenüber anderen Mitmenschen, es ist auch eine Gefahr für sich selbst. Im generellen scheint es, dass die Deutschen / Europaer die Sache wesentlich weniger kritisch betrachten, als das in Kanada der Fall ist.

Auf die Abgabe des zweiten Formulars warte ich lange und muss am Ende feststellen, dass weder irgendjemand an dem Formular interessiert war, noch ein Corona-Test angeboten wurde. Vielleicht, so denke ich mir, ist das bei Ankünften aus den 14 als sicher geltenden Ländern, wozu Kanada gehört, nicht notwendig.

Nachdem ich nur Handgepäck hatte, geht es relativ schnell aus dem Gebäude. Und nach fast 18 Stunden durchgehendes Tragen der Maske, kommt diese unverzüglich runter. Auch des Wetters wegen, den waren es bei der Abreise aus Whitehorse noch 9 Grad, waren es in Frankfurt 36 Grad.

Tipps zum sicheren Reisen in Corona-Zeiten

Das Reisen wahrend COVID-19 ist sicherlich anders und eine Herausforderung, jedoch ist diese zu meistern. Wir alle müssen darauf achten, dass wir uns selbst und unsere Mitmenschen schützen. Im generellen habe ich mich während des Fluges sicher gefühlt und hatte zu keiner Zeit das Gefühl, ich könnte mich angesteckt haben.

Meine Empfehlungen zu einem Covid-19 Flug

Insbesondere bei einem Langstreckenflug ist ein regelmässiger Maskentausch unerlässlich, sonst kann der Flug zur Tortour werden. Foto Tobias Barth
Insbesondere bei einem Langstreckenflug ist ein regelmässiger Maskentausch unerlässlich, sonst kann der Flug zur Tortour werden. Foto Tobias Barth
  • Genug Masken* (Werbung) einpacken und Regelmäßig tauschen (2-3 Stunden)
  • Eigenes Desinfektionsmittel mitbringen (100ml max!)
  • Einmalhandschuhe* (Werbung) für Toilettenbesuche
  • Desinfektionstücher* (Werbung), um den Sitzplatz und die Dinge, die man generell anfasst, zu desinfizieren

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Bleibt gelassen und cool, haltet Euch an die Regeln und tragt die Masken. Schützt Euch selbst und Eure Mitmenschen!

Fazit zu den Airlines in Covid-19 Zeiten

Die Lufthansa bekommt von mir nur 2 von 5 Sternen, da es hier einige Defizite gibt und die Angestellten scheinbar keine klare Anweisungen erhalten haben. Dazu werden keine Masken und kein Desinfektionsmittel bereitgestellt.

Air Canada bekommt ebenfalls nur 2 von 5 möglichen Sternen, da hier die Defizite ebenso vorhanden sind. Jedoch, und das ist ein grosses Plus, wird jedem Gast immerhin ein Set mit Maske, Desinfektionsmittel und einer Flasche Wasser ausgehändigt.

Ein letzter Tipp: Achtet bei der Tarifauswahl genau darauf, was Ihr bucht. Lufthansa hat die Tarife geändert, die einige Unklarheiten und Verwirrungen mit sich bringen. Und denkt auch daran, dass die, die jetzt kurzfristig fliegen, u.a. auch für die Verluste der Airlines mitbezahlen. Die Preise sind inzwischen sehr hoch und werden wohl weiterhin ansteigen.

Author

Tobias Barth ist Gründer von Faszination-Kanada.com, der grössten deutschsprachigen Online-Plattform zum Thema Kanada. Seit 1997 bereiste der geborene Weltenbummler viele Male Kanada, erkundete nahezu alle sehenswerten Ecken des Traumlandes und wanderte 2016 in den hohen Norden, in den Yukon aus. Tobias ist zudem als Reiseleiter, professioneller Foto- und Videograph und Unternehmer aktiv und leitet seit 2019 das Reiseunternehmen EPIC NORTH Tour Experiences, das Kleingruppenreisen im Yukon, nach Alaska und in die Northwest Territories anbietet.

2 Comments

  1. Bernd Heubacher Reply

    Hallo Faszination-Kanada Team,

    wie seht ihr denn die Zukunft von FK, wenn die Situation mit Covid-19 in Kanada anhält?
    Ich hoffe, dass ihr den „Laden“ nicht schließen müsst, so wie schon einige Nordamerika-Reisebüros!

    Viele Grüße
    Bernd

    • Hallo Bernd,

      vielen Dank für Deine Frage.
      Wir werden am Leben bleiben, mit und ohne Corona. Da wir noch nie Unterstützung aus irgendwelchen Töpfen bekommen haben, waren wir immer unabhaengig und frei.

      Alles Gute Dir und Deiner Familie.

      Viele Grüsse,

      Dein Team von Faszination Kanada

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