Gesellschaft & Politik
Der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada einfach erklärt
Was sind Zölle, worum geht es im Streit zwischen den USA und Kanada, welche Zölle gelten gerade und wie geht es weiter? Verständlich erklärt, mit Quellen, laufend aktualisiert.

Stand: 10. Oktober 2026. Die Lage ändert sich oft. Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald sich etwas Wichtiges tut. Kurz gesagt: Die USA erheben seit 2025 Zölle auf viele kanadische Waren, Kanada hat mit Gegenzöllen geantwortet. Die Verhandlungen stecken seit August 2026 fest, und das Freihandelsabkommen zwischen beiden Ländern gilt zwar weiter, wird aber jetzt jedes Jahr neu überprüft.
Kanada und die USA haben eine der engsten Handelsbeziehungen der Welt. Täglich rollen Lastwagen, Güterzüge und Pipelines mit Waren im Wert von Milliarden über die Grenze. Seit Anfang 2025 ist daraus ein Streit geworden, den viele als Handelskrieg bezeichnen. In den Nachrichten geht es dabei schnell um Paragrafen, Prozentsätze und Sondergesetze. Hier erklären wir, was dahintersteckt, ohne Fachchinesisch und mit Quellen für alle Zahlen.
Was sind Zölle überhaupt?
Ein Zoll ist eine Abgabe, die beim Import einer Ware fällig wird. Bezahlt wird er an den Staat, in den die Ware eingeführt wird, und zwar vom Importeur, also von der Firma, die die Ware ins Land holt.
Ein Beispiel: Ein Möbelhändler in Chicago kauft in Kanada Sofas für 100.000 US-Dollar. Gilt darauf ein Zoll von 50 Prozent, zahlt der Händler 50.000 Dollar an den US-Zoll. Diese Kosten kann er auf drei Wege tragen: Er erhöht seine Preise, er verdient weniger, oder er handelt mit dem kanadischen Hersteller einen niedrigeren Preis aus. Meist ist es eine Mischung. Untersuchungen der Federal Reserve Bank of New York und des Kieler Instituts für Weltwirtschaft kommen zu dem Ergebnis, dass bei den US-Zöllen des Jahres 2025 rund 90 Prozent oder mehr der Kosten in den USA selbst hängen geblieben sind, also bei Firmen und Verbrauchern dort.
Warum erheben Staaten trotzdem Zölle? Sie sollen heimische Industrien schützen, Druck in Verhandlungen aufbauen oder Geld in die Staatskasse bringen. Die Kehrseite: Importierte Waren werden teurer, und das betroffene Land antwortet oft mit eigenen Zöllen, sogenannten Gegenzöllen.
Warum der Streit so viel Gewicht hat
Für Kanada sind die USA mit großem Abstand der wichtigste Kunde. 2024 gingen rund 76 Prozent aller kanadischen Exporte in die USA. Umgekehrt ist Kanada einer der größten Handelspartner der USA und für mehr als 30 US-Bundesstaaten der wichtigste Exportmarkt.
Die Volkswirtschaften sind eng verflochten:
- Energie: 2025 kamen 63 Prozent der Rohölimporte der USA aus Kanada. Rund 90 Prozent der kanadischen Ölexporte gehen in die USA, größtenteils per Pipeline.
- Autos: Teile überqueren beim Bau eines Autos oft mehrmals die Grenze. Rund 90 Prozent der kanadischen Autoexporte gehen in die USA.
- Metalle und Holz: Kanada ist der größte Lieferant von Stahl und Aluminium für die USA und liefert den Großteil des importierten Bauholzes.
Geregelt ist dieser Handel durch ein Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko. Es hat 2020 das alte NAFTA abgelöst und heißt in Kanada CUSMA, in den USA USMCA. Waren, die die Regeln dieses Abkommens erfüllen, etwa weil sie überwiegend in Nordamerika hergestellt wurden, sind normalerweise zollfrei.
So hat es angefangen: die wichtigsten Etappen
2025
- Februar: US-Präsident Donald Trump ruft einen nationalen Notstand aus und begründet ihn mit dem Schmuggel von Fentanyl und illegaler Migration über die Grenze. Er kündigt 25 Prozent Zoll auf kanadische Waren an, 10 Prozent auf Energie.
- 4. März: Die Zölle treten in Kraft. Kanada antwortet mit 25 Prozent Gegenzoll auf US-Waren im Wert von 30 Milliarden kanadischen Dollar. Viele Provinzen nehmen US-Wein und -Spirituosen aus den staatlichen Läden.
- 6. März: Die USA nehmen Waren aus, die die Regeln des Freihandelsabkommens erfüllen. Seitdem ist der größte Teil des Handels wieder zollfrei.
- März und April: Zusätzlich gelten weltweite US-Zölle auf Stahl und Aluminium (25 Prozent) und auf Autos und Autoteile (25 Prozent, mit Ausnahmen für nordamerikanische Teile). Kanada antwortet mit weiteren Gegenzöllen.
- April: Mark Carney gewinnt mit den Liberalen die Parlamentswahl und wird Premierminister.
- Juni: Die Zölle auf Stahl und Aluminium steigen auf 50 Prozent. Kanada streicht nach Druck aus Washington seine geplante Digitalsteuer für große Tech-Konzerne.
- August: Der Notstandszoll auf Waren außerhalb des Abkommens steigt von 25 auf 35 Prozent.
- September: Kanada hebt die meisten Gegenzölle auf, behält aber die auf Stahl, Aluminium und Autos.
- Oktober: Neue US-Zölle auf Bauholz (10 Prozent, zusätzlich zu den seit Jahren bestehenden Antidumpingzöllen), Möbel und Küchenschränke. Nach einem Fernsehspot der Provinz Ontario, der den früheren US-Präsidenten Ronald Reagan mit Kritik an Zöllen zitiert, bricht Trump die Gespräche ab.
2026
- Januar: Kanada schließt mit China einen Deal: Bis zu 49.000 chinesische Elektroautos pro Jahr dürfen zu einem niedrigen Zoll ins Land, im Gegenzug senkt China seine Zölle auf kanadischen Raps. Washington reagiert verärgert.
- 20. Februar: Der Oberste Gerichtshof der USA entscheidet mit 6 zu 3 Stimmen, dass das Notstandsgesetz, auf das sich die “Fentanyl-Zölle” stützten, keine Zölle erlaubt. Diese Zölle fallen weg, Importeure bekommen das Geld zurück. Die Zölle auf Stahl, Aluminium, Autos und Holz bleiben, weil sie auf einem anderen Gesetz beruhen. Die US-Regierung ersetzt die gekippten Zölle vorübergehend durch einen weltweiten Aufschlag von 10 Prozent, der für Waren aus dem Freihandelsabkommen nicht gilt.
- 1. Juli: Die gemeinsame Überprüfung des Freihandelsabkommens nach sechs Jahren. Kanada will es verlängern, die USA lehnen eine Verlängerung in der jetzigen Form ab. Das Abkommen gilt weiter bis 2036, wird aber nun jedes Jahr überprüft.
- 20. Juli: Trump verhängt 50 Prozent Zoll auf eine Liste kanadischer Waren, gestützt auf ein Gesetz von 1930, das ein Präsident damit erstmals ausdrücklich für Zölle nutzt. Die Begründung: kanadische Hürden für US-Alkohol, Milchprodukte und Autos.
- 24. Juli: Der befristete Aufschlag von 10 Prozent läuft aus. An seine Stelle tritt ein neuer Zoll von 10 Prozent auf Waren außerhalb des Freihandelsabkommens, gestützt auf ein anderes Gesetz.
- 21. August: Nach wochenlangen Gesprächen bricht Carney die Verhandlungen ab. Die USA hätten “zu viel verlangt und zu wenig angeboten”. Am 22. August treten die 50-Prozent-Zölle in Kraft, für Waren im Wert von rund 20 Milliarden US-Dollar.
- 24. August: Trump kündigt an, ab 1. Januar 2027 Autos, Autoteile und Lkw aus Kanada mit 50 Prozent zu belegen (Stahl zahlt bereits 50 Prozent). Eine offizielle Verordnung dazu gibt es noch nicht.
- 8. September: Kanadas neue Gegenzölle von 15 bis 50 Prozent auf US-Waren im Wert von 27,6 Milliarden kanadischen Dollar treten in Kraft. Die USA erweitern daraufhin ihre Liste.
- 29. September: Die USA verbieten die Einfuhr der meisten kanadischen alkoholischen Getränke sowie einiger Milchprodukte und Motorräder.
Welche Zölle gelten gerade?
US-Zölle auf kanadische Waren (Stand Oktober 2026):
- Stahl, Aluminium, Kupfer: 50 Prozent, auf Produkte aus diesen Metallen teils 25 Prozent.
- Autos: 25 Prozent, bei Autos nach den Regeln des Abkommens nur auf den Anteil, der nicht aus den USA stammt. Autoteile nach den Regeln des Abkommens bleiben zollfrei.
- Lkw: 25 Prozent, Busse 10 Prozent.
- Bauholz: 10 Prozent plus Antidumping- und Ausgleichszölle von derzeit rund 35 Prozent. Eine Senkung auf rund 25 Prozent ist angekündigt.
- Möbel und Küchenschränke: 25 Prozent.
- Sonderliste seit 22. August 2026: 50 Prozent auf ursprünglich rund 550 Zolltarifpositionen, seit 15. September erweitert, darunter Milchprodukte und Käse, Ahornsirup, Alkohol, Möbel, Papier und Eishockeyausrüstung. Diese Zölle gelten auch für Waren aus dem Freihandelsabkommen. Energie und Kali sind ausgenommen.
- Einfuhrverbote seit 29. September 2026: die meisten alkoholischen Getränke, Molke, Melasse und größere Motorräder.
- Alle übrigen Waren, die nicht unter das Freihandelsabkommen fallen: 10 Prozent.
Wichtig für die Einordnung: Der größte Teil des Handels bleibt zollfrei. Nach Schätzungen der Bank RBC kommen weiterhin mehr als 80 Prozent der kanadischen Exporte ohne Zoll in die USA. Dazu gehört der Großteil der Energielieferungen wie Öl, Gas und Strom. Der durchschnittliche Zoll auf kanadische Waren lag laut Bank of Canada im Juli 2026 bei rund 5 Prozent und dürfte mit den neuen Zöllen auf rund 6 Prozent gestiegen sein. Vor 2025 waren es praktisch null.
Kanadas Gegenmaßnahmen:
- 15 bis 50 Prozent auf US-Waren im Wert von 27,6 Milliarden kanadischen Dollar, darunter Milchprodukte, Haushaltsgeräte, Landmaschinen, Kleidung und Möbel.
- 50 Prozent auf die meisten Stahl- und Aluminiumprodukte aus den USA.
- 25 Prozent auf US-Autos, mit Ausnahmen für Hersteller, die weiter in Kanada produzieren.
- In den meisten Provinzen stehen keine US-Weine und -Spirituosen mehr in den staatlichen Läden.
- Ein Hilfspaket von 7,5 Milliarden kanadischen Dollar für Beschäftigte und Firmen.
Wer ist betroffen?
In Kanada trifft es vor allem Stahl, Aluminium, die Autoindustrie und die Holzwirtschaft. Ein Beispiel: Der Autobauer Stellantis verlagerte 2025 die Produktion des Jeep Compass von Brampton in Ontario nach Illinois. Kanadas Wirtschaft wuchs 2025 nur um 1,7 Prozent, so schwach wie seit 2016 nicht mehr, wenn man das Corona-Jahr ausklammert. Die Arbeitslosenquote erreichte im August 2025 mit 7,1 Prozent den höchsten Wert seit 2016, abgesehen von der Pandemie, und lag im September 2026 bei 6,5 Prozent. Die Bank of Canada senkte ihren Leitzins 2025 in vier Schritten von 3,25 auf 2,25 Prozent und hält ihn seitdem. Sie stellt fest, dass einige Branchen von den Zöllen “stark betroffen” sind.
In den USA zahlen Firmen und Verbraucher höhere Preise. Am deutlichsten ist das beim Hausbau: Der Verband der US-Bauunternehmer schätzt die Mehrkosten durch Zölle auf Holz und andere Baustoffe auf rund 10.900 Dollar pro neuem Haus. Das Yale Budget Lab beziffert die Kosten aller US-Zölle zusammen auf mehr als 1.000 Dollar pro Haushalt und Jahr. US-Weinbauern und Spirituosenhersteller haben einen ihrer wichtigsten Exportmärkte großteils verloren.
Beim Reisen zeigt sich der Streit besonders deutlich. Viele Kanadier meiden die USA: 2025 sank die Zahl ihrer Reisen in die USA um rund ein Viertel. Seit Frühjahr 2026 steigen die Zahlen leicht, liegen aber weiter deutlich unter dem Niveau von 2024.
Die Argumente beider Seiten
Was die US-Regierung sagt:
- Fentanyl und Grenze: Kanada tue zu wenig gegen Drogenschmuggel. Die Beschlagnahmungen an der Nordgrenze seien deutlich gestiegen.
- Unfaire Handelshürden: Kanada schütze seine Milchbauern mit Zöllen von über 200 Prozent, sperre US-Alkohol aus und benachteilige US-Autos mit Gegenzöllen und Quoten.
- Handelsdefizit: Die USA kaufen mehr Waren in Kanada, als sie dorthin verkaufen, 2025 rund 46 Milliarden US-Dollar mehr.
- Arbeitsplätze: Zölle sollen Fabriken, vor allem in der Autoindustrie, zurück in die USA holen. Trump: “Wer in den USA baut, zahlt null Zoll.”
- Weitere Punkte: Regeln für Streamingdienste und kanadische Inhalte, die Bevorzugung kanadischer Firmen bei Staatsaufträgen, Kanadas Deal mit China.
Was Kanada sagt:
- Die Zölle verstoßen gegen das gemeinsame Freihandelsabkommen und gegen die Regeln der Welthandelsorganisation WTO. Kanada hat dort mehrere Verfahren eingeleitet.
- Beim Fentanyl spiele Kanada kaum eine Rolle und habe trotzdem 1,3 Milliarden kanadische Dollar in den Grenzschutz gesteckt.
- Die Lieferketten seien so eng verflochten, dass Zölle beiden Seiten schaden. Kanada liefere den USA verlässlich Energie und Rohstoffe.
- Die USA wollten in den Verhandlungen zu viel: Einschränkungen bei Kanadas Handel mit anderen Ländern, Zugeständnisse beim Schutz der französischen Sprache und Kultur und eine Lösung nur für Pkw, nicht für Lkw. Carney: “Wir können nicht annehmen, was sie angeboten haben, und wir werden nicht geben, was sie verlangt haben.”
Auch in Kanada ist der Kurs der Regierung nicht unumstritten. Die konservative Opposition wirft Carney vor, zu spät und zu ungeschickt verhandelt zu haben, und kritisiert, dass Gegenzölle auch die eigenen Verbraucher treffen. Die Autogewerkschaft Unifor und Ontarios Premier Doug Ford lehnen den Elektroauto-Deal mit China ab. In einer Umfrage von Abacus Data im August 2026 unterstützten allerdings 71 Prozent der Kanadier Carneys Entscheidung, die Gespräche abzubrechen.
Was sagen die Fakten?
Wer recht hat, ist am Ende auch eine politische Frage. Bei einigen Punkten helfen die Zahlen aber weiter:
- Fentanyl: Laut US-Grenzschutz stieg die an der Nordgrenze beschlagnahmte Menge tatsächlich. In den ersten drei Quartalen des Haushaltsjahres 2025 waren es aber 33,6 Kilogramm, gegenüber rund 4.000 Kilogramm an der Grenze zu Mexiko. Der Anteil der Nordgrenze lag bei unter einem Prozent.
- Milchzölle: Die hohen Sätze von über 200 Prozent gibt es wirklich. Sie gelten aber erst, wenn bestimmte Mengen überschritten sind. Innerhalb dieser Mengen kommen US-Milchprodukte zollfrei nach Kanada, und die Mengen werden im Schnitt nur zu einem Viertel ausgeschöpft. 2024 exportierten die USA Milchprodukte für mehr als eine Milliarde Dollar nach Kanada. Die USA halten dagegen, dass Kanada die Quoten so vergibt, dass sie schwer zu nutzen sind.
- Handelsdefizit: Es entsteht fast vollständig durch Öl und Gas. Rechnet man Energie heraus, verkaufen die USA mehr nach Kanada, als sie von dort kaufen. Bei Dienstleistungen haben die USA ohnehin einen Überschuss.
- Rechtslage: Das höchste US-Gericht hat die ersten Zölle für unrechtmäßig erklärt. Ob die neuen 50-Prozent-Zölle mit dem Freihandelsabkommen vereinbar sind, hat noch kein Schiedsgericht geprüft. Viele Handelsrechtler halten sie für einen Verstoß, die US-Regierung begründet sie damit, dass Kanada US-Waren diskriminiere.
- Wer zahlt: Ökonomen sind sich weitgehend einig, dass der Großteil der Zölle von Firmen und Verbrauchern im Inland getragen wird, nicht vom Ausland.
Gibt es eine Lösung?
Derzeit sieht es nicht nach einer schnellen Einigung aus. Seit Carneys Abbruch Ende August laufen nur technische Gespräche und Kontakte “auch auf höchster Ebene”, wie US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer am 8. Oktober 2026 sagte. Schon am 1. Oktober sprach er von einigen Fragen, die “ziemlich schwer zu lösen” seien.
Was die nächsten Monate bestimmen dürfte:
- 1. Januar 2027: Die angekündigten 50 Prozent auf kanadische Autos, Teile und Stahl wären ein schwerer Schlag für Ontario. Beide Seiten haben also einen Grund, vorher zu reden.
- Die jährliche Überprüfung des Freihandelsabkommens: Das Abkommen läuft bis 2036, aber die USA können es jedes Jahr wieder infrage stellen. Das gibt Washington ein Druckmittel.
- Gerichte: In den USA laufen weitere Klagen gegen Zölle, und der Kongress hat Anfang 2026 mit Stimmen beider Parteien versucht, den Notstand gegen Kanada zu beenden.
Eine Einigung wäre möglich, wenn beide Seiten nachgeben, etwa Kanada bei Milchquoten und Alkohol, die USA bei Stahl, Aluminium und Autos. Im August war ein Kompromiss, der die Metallzölle halbiert hätte, schon im Gespräch und scheiterte dann. Seriös vorhersagen kann den Ausgang niemand.
Ist Kanada mit Europa und anderen Partnern besser dran?
Kanada versucht, unabhängiger von den USA zu werden. Carney hat sich zum Ziel gesetzt, die Exporte in andere Länder innerhalb von zehn Jahren zu verdoppeln. Einiges ist bereits passiert:
- Europa: Das Freihandelsabkommen CETA gilt seit 2017 vorläufig. Seitdem ist der Warenhandel zwischen der EU und Kanada um mehr als 75 Prozent gewachsen. Zehn EU-Staaten haben CETA allerdings noch nicht ratifiziert, darunter Frankreich, Italien und Polen. 2025 haben die EU und Kanada eine Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft unterzeichnet, und Kanada beteiligt sich als erstes Land außerhalb Europas am EU-Rüstungsprogramm SAFE. Ende Oktober 2026 treffen sich beide Seiten in Montréal zum Gipfel.
- Asien und Lateinamerika: Ein Abkommen mit Indonesien wurde 2025 unterzeichnet, eines mit Ecuador im Juli 2026. Mit den ASEAN-Staaten, dem Mercosur, den Philippinen und Indien wird verhandelt. Mit China gibt es seit Januar 2026 den Deal zu Elektroautos und Raps.
- Infrastruktur: Der erste große Exportterminal für Flüssiggas, LNG Canada in British Columbia, verschifft seit 2025 Gas nach Asien. Ende September 2026 fiel die Entscheidung, die Kapazität zu verdoppeln. Eine neue Ölpipeline zur Pazifikküste wurde am 1. Oktober 2026 als erstes Projekt von nationalem Interesse eingestuft. Bauen ließe sie sich frühestens ab 2027.
Die Zahlen zeigen eine Verschiebung: 2025 ging rund ein Drittel der kanadischen Exporte von Waren und Dienstleistungen in andere Länder als die USA, so viel wie seit Anfang der 1980er-Jahre nicht mehr. Bei Waren allein sank der US-Anteil von 76 auf 72,5 Prozent. Ein großer Teil dieses Zuwachses ist allerdings Gold, das nach Großbritannien geht, und solche Ströme können schnell wieder kippen.
Die Grenzen sind klar: Die USA liegen direkt nebenan, Pipelines, Schienen und Fabriken sind auf diesen Markt ausgerichtet, und kein anderer Partner kauft so viel Öl, Gas, Strom und Autos. Europa kann für Kanada ein wichtiger zweiter Partner werden, die USA ersetzen kann es nicht. Realistisch ist eher, dass Kanada sein Risiko verteilt, als dass es sich von den USA abwendet.
Was bedeutet das für Ihre Reise nach Kanada?
- Einreise: Für Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ändert sich nichts. Sie brauchen wie bisher eine eTA.
- Wechselkurs: Für Euro-Reisende ist Kanada günstiger geworden. 2024 bekamen Sie im Schnitt 1,48 kanadische Dollar für einen Euro, im September 2026 waren es 1,61. Den aktuellen Kurs finden Sie in unserem Artikel zum Kanadischen Dollar.
- Preise vor Ort: Einige US-Produkte sind in Kanada durch die Gegenzölle teurer geworden. US-Weine und -Spirituosen finden Sie in den meisten Provinzen kaum noch im Handel. Kanadische Weine aus dem Okanagan oder von der Niagara-Halbinsel sind eine gute Alternative.
- Kombinierte Reisen USA und Kanada: Sind weiterhin problemlos möglich. Die Zölle betreffen Waren, nicht Reisende.
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Häufige Fragen
Warum erheben die USA Zölle auf kanadische Waren?
Die US-Regierung nannte anfangs den Fentanyl-Schmuggel und die Grenze, später das Handelsdefizit und kanadische Hürden für US-Milchprodukte, Alkohol und Autos. Kanada hält die Zölle für unbegründet und für einen Verstoß gegen das gemeinsame Freihandelsabkommen.
Sind alle kanadischen Waren betroffen?
Nein. Nach Schätzungen der Bank RBC kommen weiterhin mehr als 80 Prozent der kanadischen Exporte zollfrei in die USA, vor allem Waren nach den Regeln des Freihandelsabkommens und der Großteil der Energie. Hart getroffen sind Stahl, Aluminium, Autos, Holz und die Waren auf der 50-Prozent-Liste.
Was ist CUSMA?
CUSMA ist das Freihandelsabkommen zwischen Kanada, den USA und Mexiko. Es hat 2020 das alte NAFTA abgelöst und heißt in den USA USMCA. Es gilt bis 2036, wird aber seit Juli 2026 jedes Jahr überprüft.
Ist ein Urlaub in Kanada dadurch teurer geworden?
Für Reisende aus dem Euroraum eher nicht. Der Euro ist gegenüber dem Kanadischen Dollar seit 2024 deutlich gestiegen. Einzelne US-Produkte sind in Kanada durch Gegenzölle teurer, und US-Wein finden Sie in den meisten Provinzen kaum noch.
Wann endet der Handelsstreit?
Das kann niemand seriös sagen. Wichtige Termine sind die angekündigten US-Zölle auf Autos ab 1. Januar 2027 und die jährliche Überprüfung des Freihandelsabkommens. Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald sich etwas ändert.
Quellen
- Congressional Research Service: U.S.-Canada Trade Relations and Tariffs (R49349) (öffnet in neuem Tab), September 2026
- Weißes Haus: Fact Sheet zu den Zöllen gegen Kanada, Juli 2026 (öffnet in neuem Tab) und September 2026 (öffnet in neuem Tab)
- Kanadisches Finanzministerium: Gegenmaßnahmen und Hilfspaket, 25. August 2026 (öffnet in neuem Tab)
- Global Affairs Canada: Erklärung nach der Überprüfung des Freihandelsabkommens, Juli 2026 (öffnet in neuem Tab) und State of Trade 2026 (öffnet in neuem Tab)
- Blakes: Chronik der US-Zölle gegen Kanada (öffnet in neuem Tab)
- Bank of Canada: Zinsentscheid vom 2. September 2026 (öffnet in neuem Tab) und Annahmen zu Zöllen, Juli 2026 (öffnet in neuem Tab)
- Canada Energy Regulator: Energiehandel Kanada-USA 2025 (öffnet in neuem Tab)
- Canadian Press: Faktencheck zu den Fentanyl-Zahlen (öffnet in neuem Tab)
- FactCheck.org: Kanadas Milchzölle (öffnet in neuem Tab)
- C.D. Howe Institute: Handelsdefizit ohne Energie (öffnet in neuem Tab)
- Federal Reserve Bank of New York, via Fortune (öffnet in neuem Tab), und Kieler Institut für Weltwirtschaft (öffnet in neuem Tab): Wer die Zölle bezahlt
- Yale Budget Lab, via ABC News (öffnet in neuem Tab)
- RBC Economics: Was über die neuen Zölle bekannt ist (öffnet in neuem Tab), August 2026
- BNN Bloomberg: Greer zu schwierigen Fragen, 1. Oktober 2026 (öffnet in neuem Tab)
- BNN Bloomberg: Greer zum Stand der Gespräche, 8. Oktober 2026 (öffnet in neuem Tab)
- Global News: Woran die Gespräche gescheitert sind (öffnet in neuem Tab)
- Abacus Data: Umfrage zum Abbruch der Gespräche (öffnet in neuem Tab)
- EU-Kommission: CETA-Handelsbilanz, März 2026 (öffnet in neuem Tab) und Euronews: Warum CETA noch nicht ratifiziert ist (öffnet in neuem Tab)
- Rat der EU: Kanadas Teilnahme an SAFE (öffnet in neuem Tab)
- Statistics Canada: Arbeitsmarkt September 2026 (öffnet in neuem Tab) und Bruttoinlandsprodukt 2025 (öffnet in neuem Tab)
- Bank of Canada: Jahresdurchschnitt der Wechselkurse (öffnet in neuem Tab) und Monatsdurchschnitt (öffnet in neuem Tab)
- DLA Piper: USA verlängern das Freihandelsabkommen nicht (öffnet in neuem Tab)
- PwC Kanada: Der neue 10-Prozent-Zoll (öffnet in neuem Tab)
- Davis Wright Tremaine: Die 50-Prozent-Liste (öffnet in neuem Tab)
- Wikipedia: Urteil Learning Resources v. Trump (öffnet in neuem Tab)
- BEA: US-Handelsbilanz 2025 (öffnet in neuem Tab)
- NAHB: Zölle und Baukosten (öffnet in neuem Tab)
- Bloomberg: Gespräche über halbierte Metallzölle, 19. August 2026 (öffnet in neuem Tab)
- Statistics Canada: Reisen 2025 (öffnet in neuem Tab)
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