Die Heritage River des Yukon Territorium

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Entdecke die Flüsse der Traditionen, der Kulturen und der Erinnerungen

Die Geschichte des Yukon und seiner Besiedlung ist lange, auch wenn die jüngere Geschichte ab dem Großen Klondike Goldrausch die große Masse der zu diesem Thema verfassten Artikeln umfasst.

Aber lange, bevor die ersten Europäer sich dem heutigen Territorium angenähert und es entdeckt haben, haben bereits Menschen aus dem eurasischen Lebensraum Alaska und den Yukon durchquert und besiedelt. Möglich gemacht hat dies eine heute nicht mehr existierende Landbrücke über die Beringsee.

Ströme und Flüsse des Yukon haben seit der ersten Besiedlung das Leben maßgeblich beeinflusst, denn sie sind die Lebensader in einer landschaftlich schönen, aber insbesondere in den Wintern harten und oftmals lebensfeindlichen Umgebung. Sie gaben Trinkwasser und Fisch, insbesondere den Lachs, sie waren Transportweg für Handel und Austausch. Kurzum, die Heritage River des Yukon sind Flüsse des Erbes der First Nation, aber auch der ersten Entdecker. Sie sind Flüsse der Kulturen und der Erinnerungen an lange vergangene Zeiten.

Wir stellen Dir die Heritage River des Yukon und ihre Geschichten entlang ihrer Ufer vor. Tauche ein in die Geschichte einer Landschaft, die größer ist als das Leben und die der wahre Norden Kanadas ist.

Inhaltsverzeichnis

Der Yukon River (Thirty Mile)

Der größte, längste und sicherlich bekannteste Heritage River des Yukon ist der gleichnamige Strom (Teilabschnitt), der seinen Anfang in der Provinz British Columbia nimmt und dessen mehr als 3100 Kilometer lange Reise in der Beringsee im US-Bundesstaat Alaska ihr Ende findet.

Der Yukon River symbolisiert wie wenig anderes das Erbe des Yukon, seiner Menschen früher und im jetzt und heute. Es ist ein zeitloses Erbe eines der größten Flüsse der Erde, dessen ihn begleitende Landschaften die Menschen zu allen Zeiten beeindruckt und begeistert.

Der Yukon River ist der Fluss Nordamerikas, er prägt die Landschaften wie sonst nur noch der mächtige Mississippi, der jedoch kanadisches Staatsgebiet nicht berührt. Der Yukon entwässert insgesamt eine Fläche von nahezu 900.000 Quadratkilometern, jeweils zur Hälfte in Kanada und in den USA.

Der Marsh Lake gilt als Quelle des Yukon River

Am Marsh Lake. Foto apr
Am Marsh Lake. Foto apr

Seinen Anfang nimmt der mächtige Strom in den Quellseen der Costal Range in der Provinz British Columbia. Als Quelle des Yukon gilt der Marsh Lake, der wiederum vom Tagish River gespeist wird, der vom Tagish Lake abfließt. Im Prinzip kann man den Marsh Lake auch als einen auf vier Kilometer verbreiterten Yukon River ansehen. Weitere Quellseen des Yukon sind neben vielen anderen der Atlin Lake und der Lake Bennett.

Der Name des Yukon findet sich in der Sprache der First Nation der Gwich’in. John Bell, Händler der Hudson’s Bay Company, der den Fluss in den 1840er Jahren vom Osten her erreichte, übernahm diesen Namen, der bis heute gilt.

Bereits in den 1830er Jahren erreichten russische Händler den Yukon River als erste Nicht-Ureinwohner vom Westen her, damals gehörte Alaska noch dem Russischen Zarenreich an.

Erst im Jahr 1867 erwarben die USA ihre heutige Exklave. Sie war damals nur über den Seeweg direkt zu erreichen. Russland erhielt für das riesige Landstück die heute mehr als lächerliche Summe von 7,2 Millionen Dollar, was einem aktuellen Wert von etwa 140 Millionen Dollar entspricht.

Da der Yukon River sein Wasser überwiegend aus den von Gletschern gespeisten Oberwasserseen bezieht, steigen die Pegel insbesondere in den Monaten Mai und Juni während der Sommerschneeschmelze rasch an, sinken aber auch wieder schnell. Somit verfügt der Fluss überwiegend über einen konstanten Wasserpegel.

Der Marsh Lake gilt als offizielle Quelle des Yukon River. Foto apr
Der Marsh Lake gilt als offizielle Quelle des Yukon River. Foto apr

Lange Zeit war der Yukon für die First Nation eine wichtige Wasserstraße für den Transport und den Handel. Auch die Entdecker, Abenteurer und Goldsucher nutzten den Yukon als Transportweg in das Klondike Gebiet. Damals war der Fluss vom Marsh Lake bis nach Dawson als oberer Yukon und ab Dawson als unterer Yukon bekannt.

Mit der Einrichtung von Landverbindungen wie dem Alaska Highway während des Zweiten Weltkrieges wurde der sehr wilde Fluss als Transportweg für Menschen und Material unwichtig. 

Das Erbe des Yukon – Die First Nation

Die First Nation des Yukon und ihre jeweiligen Siedlungsgebiete im Territorium. Graphik Government of Yukon
Die First Nation des Yukon und ihre jeweiligen Siedlungsgebiete im Territorium. Graphik Government of Yukon

Die Geschichte der menschlichen Besiedlung des Territoriums reicht mehr als 13.000 Jahre zurück. Der Yukon River durchfließt die traditionellen Siedlungsgebiete der First Nations der Inland Tlingit, der Tagish, der Southern Tutchone, der Northern Tutchone und der Hän-sprechenden Völker. Sie reisten und reisen teilweise noch heute durch das Einzugsgebiet des Flusses, um zu jagen, Fische zu fangen und Pflanzen zu ernten. 

Das Erbe des Yukon – Der Goldrausch

Reste eines Schiffsanlegers aus der Zeit des Goldrausches in Whitehorse. Foto apr
Reste eines Schiffsanlegers aus der Zeit des Goldrausches in Whitehorse. Foto apr

Als im Jahr 1896 am Klondike Gold entdeckt wurde, begann ein riesiger Ansturm auf das Gebiet. Zehntausende von Menschen aus aller Welt reisten im Winter 1897 und 1898 über den Chilkoot Pass oder den White Pass. Sie überwinterten in Bennett oder Lindeman, am Fuße der Pässe, und bauten Boote für die Reise nach Dawson. Im Jahr 1898 befuhren mehr als 7.000 Boote diese Route auf ihrem Weg zum Klondike. Samuel Steele, der Inspektor der North-West Mounted Police (NWMP), zählte auf dem Bennett Lake, nachdem das Eis verschwunden war, mehr als 800 Segelboote in einem Abschnitt des Sees.

Das Erbe des Yukon – Der Lachs

Jedes Jahr wanderten und wandern die Lachse Tausende von Kilometern den Yukon River hinauf, um ihre Laichgründe, die Orte der eigenen Geburt, zu erreichen. Diese Lachswanderungen sicherten über Jahrtausende das Überleben der Menschen, die diese durch Trocknen, Räuchern und später auch durch Salzen haltbar machten und noch heute machen.

Der Chinook, auch Königslachs genannt, beim Zug in die Laichgründe. Foto Dan Cook (USFWS) / Public Domain
Der Chinook, auch Königslachs genannt, beim Zug in die Laichgründe. Foto Dan Cook (USFWS) / Public Domain

Als erster kommt der King, Spring oder Chinook Salmon, der Königslachs an den Laichgründen an. Er ist der größte Lachs im Yukon River. Ihm folgen der Red oder Sockeye Lachs, der durch seine rote Färbung auffällt, sowie der Buckel- (Humpback) und Silberlachs (Coho oder Silver Salmon) und der Hundslachs (Chum- oder Dog Salmon) als weitere Lachsarten, die flussaufwärts ziehen. Nur der King Salmon, der Königslachs durchquert den Yukon über die gesamte Flusslänge von der Beringsee aus.

Der Yukon der Erinnerungen – The Thirty Mile – Der Dreißig-Meilen-Fluss

Die zum Transport von Lasten und Passagieren auf dem Yukon entwickelten Schiffe waren genau für diesen Fluss konzipiert. Flache Rümpfe gewährleisteten einen geringen Tiefgang im seichten Wasser des Yukon. Flache Heckpaddel ließen die Schiffe schnell durch die engen Stellen, wie an den gefährlichen Stromschnellen, den  “Five Finger Rapids, manövrieren.

Eine Fahrt mit dem Schaufelraddampfer dauerte flussabwärts von Whitehorse nach Dawson eineinhalb Tage, flussaufwärts von Dawson nach Whitehorse zwischen vier und sechs Tage. Welch ein Unterschied, der die starke Strömung des Stromes verdeutlicht.

Ein majestätisches Zeichen ihrer Zeit, der historische Heck-Schaufelrad-Dampfer S.S. Klondike an ihrem Liegeplatz in Whitehorse. Foto apr
Ein majestätisches Zeichen ihrer Zeit, der historische Heck-Schaufelrad-Dampfer S.S. Klondike an ihrem Liegeplatz in Whitehorse. Foto apr

Thirty Mile wird der Flussabschnitt des Yukon River zwischen dem Lake Laberge bis zum Teslin River genannt. Hier mussten die mutigen Flussschiffer bei der Bewältigung dieser kurvenreichen Flussstrecke mit ihren Untiefen und versteckten Felsen das richtige Gleichgewicht zwischen “Vorsicht und Risiko” finden. Viele scheiterten mit ihren Schiffen und Booten. So mancher Ort entlang des Abschnitts, wie der La France Creek erhielten ihre Namen von Schiffen, die dort scheiterten und zerschellten.

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Heritage River im Yukon: Der Alsek River

Der wilde Alsek River in seiner ganzen Schönheit. Ein wahrhafter Heritage River des Yukon. Foto AWWE83 / CC BY-SA 4.0
Der wilde Alsek River in seiner ganzen Schönheit. Foto AWWE83 / CC BY-SA 4.0

Der Alsek River ist sicherlich einer der schönsten, wildesten und spektakulärsten, aber auch der gefährlichsten Flüsse auf dem nordamerikanischen Kontinent. Und er ist Nordamerikas einziger Fluss, der komplett in einem Naturschutzgebiet fließt und sich ohne Beton und anderen Verunstaltungen moderner Zivilisation zeigen darf.

Sein Entstehen und sein Status in Kanada

Der Alsek River entsteht ungefähr 30 Kilometer südwestlich von Haines Junction durch den Zusammenfluss von Dezadeash River und Kaskawulsh River. Der wilde Fluss durchfließt die Elias-Kette, die einen Teil der nordamerikanischen Küstengebirge bildet und mündet nach ungefähr 265 Kilometern (385 Kilometer mit Quellflüssen) in die Dry Bay im Golf von Alaska.

Eine Besonderheit, die Forscher der Klimaerwärmung zuschreiben, passierte zwischen dem 26. und 29. Mai 2016. In diesen nur vier Tagen erodierte der Kaskawulsh-Gletscher so massiv, dass eine riesige Spalte, ja ein kleiner Canyon entstand.

Dadurch wurde das Wasser des Slim River nicht mehr in den Kluane Lake abgeleitet, sondern in den Kaskawulsh River, was einen massiv erhöhten Wasserstand im Alsek River zur Folge hatte.

Im Gegenzug wurde durch das Ereignis, das entstehen konnte, weil die Kaskawulsh Gletscherzunge auf der Wasserscheide steht, dem Kluane Lake der wichtigste Zufluss “gestohlen”, was eine zunehmende Verlandung des Sees zur Folge haben wird. Erste massive Auswirkungen auf den Wasserstand des Sees kann man schon heute beobachten.

Eine bereits beschriebene Besonderheit ist, dass der Heritage River Alsek in seiner Gänze durch streng geschütztes Gebiet fließt. Dies sind im Yukon der Kluane Nationalpark, in British Columbia den Tatshenshini-Alsek Provincial Park und in Alaska den Glacier Bay Nationalpark. Der Teil des Alsek River, der im Yukon Territorium durch den Kluane Nationalpark fließt, ist seit dem Jahr 1986 Teil des Canadian Heritage Rivers Systems.

Die drei Parks, die der Alsek River durchfließt, ergeben gemeinsam mit dem auf dem Staatsgebiet der USA liegenden Wrangell-Saint Elias-Nationalpark ein neun Millionen Hektar großes Naturschutzgebiet, in dem sich das größte non-polare Eisfeld der Erde befindet. Überdies stehen die vier Nationalparks seit dem Jahr 1994 auf der Liste der UNESCO Weltnaturerbestätten. 

Was macht den Alsek River so besonders und so gefährlich?

Der Alsek River ist ein Fluss, der Magie versprüht. In seinem Oberlauf zieht der Fluss in unzähligen Armen mäandernd durch die Landschaft. Ein breites Tal mit riesigen Schotterfeldern und Sanddünen sowie einer arktischen Flora und Fauna wird nach ungefähr 50 Kilometer durch einen Stau am Lowell-Gletscher abgelöst.

Der Turnback Canyon im Alsek River, so mächtig, dass ihn auch die stärksten Chinnook Lachse nicht bezwingen können. Foto AWWE83 / CC BY-SA 4.0
Der Turnback Canyon im Alsek River, so mächtig, dass ihn auch die stärksten Chinnook Lachse nicht bezwingen können. Foto AWWE83 / CC BY-SA 4.0

Dann zeigt der Alsek River sein anderes Gesicht. Durch die Verengung des Tales gewinnt das Wasser massiv an Geschwindigkeit, die Szenerie wird durch die ansteigende Höhe der Berge noch dramatischer. Der Fluss erreicht den Tweedsmuir-Gletscher, der in ihn kalbt und danach den Turnback Canyon. In dieser ungefähr 12 Kilometer langen Schlucht ist der Alsek so gefährlich, dass er nur von absoluten Spezialisten und nur nach einer umfassenden Einweisung und Beobachtung mit dem Kajak befahren werden darf. Trotz dieser Restriktionen kommt es immer wieder zu tödlichen Unfällen.

Um die Dimmension der Kraft des Wassers zu verdeutlichen, an dieser Stelle schafft es sogar der kräftige und eigentlich durch nichts aufzuhaltende Königslachs nicht, weiter aufzusteigen.

Doch bald zeigt sich der Alsek River in seinem Unterlauf wieder von seiner schönen und auch seiner gemütlichen Seite. In einem weiten Tal wandelt er sich in einen ruhigen Strom, der den Alsek Lake durchfließt und geschmückt mit mancherlei Eisfracht seiner Mündung in den Pazifik entgegenfließt.

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Der Bonnet Plume

Wie die anderen vorgestellten Flüsse gehört der Bonnet Plume zu den besonders geschützten des Canadian Heritage Rivers System. Der Bonnet Plume liegt im Flusssystem des Mackenzie River und ist ungefähr 320 Kilometer lang. Er ist rechter Nebenfluss des Peel River, der wiederum in den Mackenzie River mündet. Somit fließen die Wasser des Bonnet Plume vom Yukon Territorium in den Arktischen Ozean.

Der Heritage River entspringt in den Backbone Ranges an der Grenze zu den Northwest Territories. Durch seinen weiteren Lauf durch das Flusstal, das die Bonnet Plume Mountain von den Wernecke Mountain trennt, gilt der Bonnet Plume als einer der unzugänglichsten Flüsse Nordamerikas, aber auch als Paradies für Kajak- und Kanadierfahrer.

Das Einzugsgebiet des wilden Flusses zeigt sich beim Thema Flora und Fauna von seiner schönsten Seite. Wälder, überwiegend aus Fichten, Pappeln, Lärchen, Erlen und Weiden beheimaten Elch, Bären, Wolf, Biber und Bisam sowie eine große Zahl kleinerer Säugetiere und Vögel.

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Der Tatshenshini River

Unser letzter hier vorgestellte Fluss eines besonders geschützten im Canadian Heritage Rivers System ist der Tatshenshini River, im Yukon auch kurz Tat genannt. Der Shäwshe Chù, wie der Tatshenshini River in der Sprache der First Nation auch genannt wird, ist mit 150 Kilometern Länge ein relativ kurzer Fluss.

Der Tat durchfließt das südwestliche Yukon Territory und die Provinz British Columbia an ihrer nordwestlichen Ecke. Er durchfließt die Saint Elias Mountains und den Tatshenshini-Alsek Provincial Wilderness Park. Dort mündet er auch in den Alsek River.

Die Landschaft des Tatshenshini River im O'Connor Creek Delta am Mittellauf des Heritage River. Foto Random89 / CC-BY 3.0
Die Landschaft des Tatshenshini River im O’Connor Creek Delta am Mittellauf des Heritage River. Foto Random89 / CC-BY 3.0

Der Tatshenshini River und seine Umgebung war ursprünglich das Siedlungsgebiet der Tlingit First Nation. Zur Zeit des Goldrausches am Klondike siedelten aus Europa stammende Amerikaner am Fluss, in Dalton Post am historischen Dalton Trail.

Der Heritage River Tatshenshini fließt weitgehend ungestört durch die Lande, nur an der Haines Road von Haines Junction nach Haines überquert eine Brücke den Flussoberlauf. Auch im Tat ziehen die Lachse, ein Festmahl für Grizzly, Weißkopfseeadler & Co.

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Author

Alfred Pradel (apr), arbeitet seit vielen Jahren als Freier Journalist für Tageszeitungen, Magazine und andere Publikationen. Seit vielen Jahren ist der Kanada eng und freundschaftlich durch viele persönliche Kontakte verbunden. Alfred Pradel ist Chefredakteur und betrachtet auf Faszination Kanada den Tourismus, den Lifestyle im zweitgrößten Land der Erde, aber auch wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Themen.

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