6.000 km und 6 Stunden – Für die Liebe nicht zu viel

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Claudia war seit acht Jahren Single und im vergangenen Jahr ging es für die sympathische, damals 35-jährige auf eine verrückte Reise. Eine Reise, die ihr den Traummann brachte und eine neue Heimat, das Traumland Kanada. Claudia erzählt uns ihre spannende Geschichte, exklusiv bei Faszination Kanada.

Ich war schon lange auf der Suche nach einem Mann. Auf der Arbeit scherzten wir, dass ich erst einmal besser englisch sprechen müsste, damit ich auf meiner Reise, die mich von San Jose nach Panama City, von Quito nach Lima und im Anschluss noch nach New York und Los Angeles führen sollte, einen kennenlerne. Nun, nicht unbedingt.

Claudia

Ich war bereits drei Tage vor Beginn der Gruppenreise in San José und bin manchmal jemandem im Frühstücksraum begegnet, habe mich aber nie unterhalten. Normalerweise bin ich niemand, der andere Leute anspricht. Aber wenn ich jemanden anspreche, dann wird diese Person ein wichtiger Teil meines Lebens.

So auch an dem Morgen, an dem die Gruppenreise startete. Mir gegenüber saß ein Mann, der die ganze Zeit auf seinem Handy herumtippte. Ich nahm an, dass er zu der Gruppe gehörte. Da ich besonders im Urlaub immer versuche, aus meiner Komfortzone zu kommen, sprach ich ihn an.

Ein Blick auf Panama City. Hier begann die Liebesgeschichte von Jérémie und Claudia. Foto CF
Ein Blick auf Panama City. Hier begann die Liebesgeschichte von Jérémie und Claudia. Foto CF

So fand ich heraus, dass er Jérémie (obwohl ich ihn anfangs Jeremy schrieb) heißt und aus Kanada kommt. Zu uns stieß dann noch eine junge Frau aus der Schweiz und wir sahen uns zusammen die Stadt an. Die nächsten Tage hatte ich allerdings keinen weiteren Kontakt mehr zu Jérémie.

Am vorletzten Abend hatten wir eine kleine Party, bei der uns unser Gruppenleiter ein wenig Salsa beibrachte. Wir sollten uns immer einen Partner suchen und tanzten einfach frei. Ich suchte mir Jérémie aus, warum weiß ich gar nicht genau. Vielleicht weil ich mit ihm die meisten Worte gewechselt hatte, weil ich nicht so recht Kontakt zur Gruppe fand, oder auch weil ich unterbewusst mehr für ihn fühlte.

Er spendierte mir dann noch einen Drink und wir saßen am Lagerfeuer neben-einander. Am nächsten Tag besuchten vier von uns den Panama-Kanal und ich suchte immer wieder den Kontakt zu ihm und er zu mir und später gingen wir zusammen zum Hardrock Café, von dessen Dach es eine wunderschöne Aussicht gibt. Es sollte sich später noch jemand anschließen, was er aber nicht tat. Da Jérémie und er französisch sprachen, weiß ich nicht, ob er es so wollte und schon damals Gefühle für mich hatte.

So richtig haben wir es nie zur Sprache gebracht und ich werde es wohl nie erfahren. Am Abend verliefen sich dann unsere Wege wieder, obwohl ich mir gewünscht habe, dass wir noch ein wenig Zeit verbringen. Das habe ich ihm aber niemals gesagt.

Karibische Träume auf der Reise von Claudia. Bacas del Toro. Foto CF
Karibische Träume auf der Reise von Claudia. Bacas del Toro. Foto CF

Am nächsten Tag flog ich weiter nach Quito und er nach Hause. Ich habe mich nicht einmal von ihm verabschiedet. Aus den Augen aus dem Sinn. Nun, nicht so ganz.

Zwei Tage später erhielt ich eine Nachricht von ihm, wie denn meine weitere Reise laufe. Ich habe mich nur gefragt: „Ist das Jérémie?“ Da ich ein höflicher Mensch bin, habe ich geantwortet und da er auch ein höflicher Mensch ist, hat er auch immer geantwortet.

Wenig später stellte sich heraus, dass ich aufgrund von Corona nicht weiterreisen konnte, und er lud mich zu sich ein. Ich hatte zuerst nicht vor das Angebot anzunehmen, weil ich ihn nicht wirklich kannte. Er sagte, ich könne wählen, nach Hause zu fliegen oder meine Reise fortzusetzen, was ich ja vorhatte und dann von dort aus in die USA zu fliegen.

So nahm ich das Angebot an, schließlich hatte er ein Gästebett. Die Corona Situation wurde immer verfahrener und es gab kaum Flüge. Er half mir, aber dann sollte ich am besten sofort das Hotel verlassen und zum Flughafen fahren. Wer keinen Flug hatte, wurde aber nicht eingelassen. Meiner war inzwischen gecancelt, aber schließlich durfte ich den Flughafen betreten.

Ich musste dort übernachten und konnte früh am Morgen von dort nach Panama fliegen. Inzwischen erreichte mich die Nachricht, dass Kanada die Grenzen zumacht. Von Panama flog ich nach Washington und strandete dort, da ich die Einreise nach Kanada um genau zwölf Stunden verpasste. Mir blieb nichts anderes übrig als nach Hause zu fliegen.

Jérémie und Claudia in Kanada, der neuen Heimat unserer Auswanderin über viele Ecken. Foto CF
Jérémie und Claudia in Kanada, der neuen Heimat unserer Auswanderin über viele Ecken. Foto CF

Dort war ich allein und konnte nicht einmal mehr arbeiten, weil ich in hundertprozentiger Kurzarbeit war. Meine Mama sagte später, dass ich auf dem Rückweg im Auto nur von Jérémie sprach.

Und so blieb es auch die nächste Zeit. Er arbeitete von Zuhause aus, so dass wir genügend Zeit hatten, miteinander zu texten. Es war für uns beide eine Ablenkung von der öden Zeit. Anfangs übersetzte ich ihm mein Buch und er schickte mir viele Bilder von seinem Essen.

Nach und nach wurde es immer familiärer, sodass ich irgendwann die entscheidende Frage stellte, warum er mich denn überhaupt angeschrieben hatte. Er meinte, anfangs wollte er nur wissen, wie meine Reise läuft, aber er hätte nicht gedacht, dass es so weit gehen würde.

Die Worte sagten zwar direkt nichts aus, aber machten klar, was sowieso schon klar war. Wir hatten uns ineinander verliebt. Nun fingen wir auch an Videochats zu machen, was dazu führte, dass wir trotz sechs Stunden Zeitunterschied und 6.000 km Entfernung von Horneburg nach Rockland, Ontario irgendwie die ganze Zeit zusammen waren. Doch richtig zusammen sein, konnten wir nicht, da Kanada bis Ende Juni seine Grenzen geschlossen hatte.

Im Juli sollte es dann aber endlich so weit sein, ich hatte extra meine Operation dafür verschoben. Als die Grenzschließung dann um einen Monat verlängert wurde, fing ich mich an zu fragen, ob eine Beziehung zwischen uns sein sollte. Es schien keine Perspektive zu haben. Jérémie machte mir mit seiner Art und seinen Worten aber immer wieder klar, warum ich weiter warten sollte.

Als klar wurde, dass ich weiterhin nicht einreisen konnte, kam er mich nach fünf Monaten in Deutschland besuchen. Kanadier konnten zu dieser Zeit einreisen. Trotzdem war ich nervös, bis ich endlich die Nachricht erhielt, dass er den Stempel im Pass hatte.

Jérémie auf Besuch in Claudias Heimat. Bummeln durch den Hamburger Park "Planten un Blomen". Foto CF
Jérémie auf Besuch in Claudias Heimat. Bummeln durch den Hamburger Park “Planten un Blomen”. Foto CF

Endlich gab es den ersten Kuss. Nach den drei Wochen wollte ich ihn nicht mehr gehen lassen, aber ich musste. Es war jetzt noch schwieriger ohne ihn zu sein. Ich wartete weitere 3,5 Monate bis er mich das nächste Mal über Weihnachten/Neujahr besuchen kam.

Liebes Happy-End Station Kanada

Dieses Mal mussten wir unterschreiben, dass wir ein Paar waren, aber auch das ging hier in Deutschland problemlos. Aufgrund der Corona Beschränkungen konnten wir eigentlich nur kuscheln, aber das war genau das, was so lange gefehlt hat.

Dieses Mal musste ich nicht so lange warten. Nach 1,5 Monaten konnten wir die Ausnahmegenehmigung für erweiterte Familienmitglieder beantragen, da wir nun ein Jahr zusammen waren.

Als ich die Bestätigung erhielt, buchte ich sofort meinen Flug. Ich habe meine Wohnung aufgelöst, mein Auto verkauft, Familie und Freunde hinter mir gelassen und bin nach zwei Corona Tests endlich mit mehr als einem Jahr Verzögerung nach Kanada geflogen.

Nach etlichen Fragen an zwei verschiedenen Stellen, wo am meisten zu interessieren schien, ob ich keine weiteren Lebensmittel als ein Brot und Süßigkeiten bei mir hätte, einen weiteren Corona Test, einen Tag Hotel Quarantäne, dreizehn weitere Quarantäne Tage und einen weiteren Corona Test sind Jérémie und ich endlich zusammen und frei. Je nachdem, ob man wirklich von frei in der aktuellen Corona Situation sprechen kann.

Die erste Zeit war eine Herausforderung, denn obwohl ich denke, dass wir uns durch all das Chatten besser kennen als viele andere Paare nach etwas über einem Jahr, müssen wir uns doch noch kennenlernen.

Einleben und arbeiten in der neuen Heimat Rockland, Ontario. Claudia beim Heimwerken. Foto CF
Einleben und arbeiten in der neuen Heimat Rockland, Ontario. Claudia beim Heimwerken. Foto CF

Wir managen es immer besser, er arbeitet oben im Büro und ich schreibe unten, denn ich habe den Vorteil als Autorin von überall aus arbeiten zu können. Wir managen es immer besser, es gibt immer kleine Highlights. Ich fühle mich manchmal wie in einer anderen Welt, nicht weil Kanada so anders ist, ich habe leider noch nicht viel sehen können, sondern weil ich einiges einfach das erste Mal mache.

Ich denke, dass es in Zukunft noch vieles Aufregendes zu erleben gibt. Ich wünsche mir hier Kontakte knüpfen zu können und dass ich sehr bald französisch verstehen und sprechen kann. Aber das wird, das Wichtigste ist, dass ich endlich angekommen bin.

Eine abendliche Impression aus der neuen Heimat von Claudia. Cobbs Lake Creek in Rockland, Ontario. Foto CF
Eine abendliche Impression aus der neuen Heimat von Claudia. Cobbs Lake Creek in Rockland, Ontario. Foto CF

Ich möchte mit meiner Geschichte Menschen Mut machen, dass man immer noch den Traumpartner finden kann, ich bin 36 und war acht Jahre Single. Es ist so vieles möglich, wenn man offen und geduldig ist. Und das schreibt jemand, der warten hasst. Ich habe nie von Kanada geträumt, aber jetzt bin ich auf dem besten Weg meinen Traum zu leben.

Author

Alfred Pradel (apr), arbeitet seit vielen Jahren als Freier Journalist für Tageszeitungen, Magazine und andere Publikationen. Seit vielen Jahren ist der Kanada eng und freundschaftlich durch viele persönliche Kontakte verbunden. Alfred Pradel ist Chefredakteur und betrachtet auf Faszination Kanada den Tourismus, den Lifestyle im zweitgrößten Land der Erde, aber auch wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Themen.

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