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Flora & Fauna – Der Yukon ist Natur pur

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Inhaltsverzeichnis

Der Yukon ist ein Land voller Leben. Ein Land, das Ihnen die außergewöhnliche  Chance bietet, die ursprüngliche Tierwelt der nordischen und arktischen Landschaften in ihrer Vielfalt und in freier Wildbahn zu erleben. Ein Land, in dem Sie riesige Herden beobachten können.

Ein Land, in dem Sie Einzelgängern, großen und kleinen Tieren, in der Luft, im Wasser oder an Land auf der Spur sein können. Ein Land, das vor allem für Sie selbst, aber auch für Ihre Kameras und Ferngläser einzigartige Bilder bereithält. 

Ein Land, in dem 62 Säugetierarten, 279 Vogel- und 1,150 Pflanzenarten leben. Ein Land, in dem der Lebensraum der wilden Tiere und der vielen, oft einzigartigen Pflanzenarten vom Menschen geschützt und geachtet wird und in dem sich die Begegnungen sich auf respektvolle Art und Weise gestalten. Das ist Yukon Natur pur!

Ein Land, das Sie mit vielen bewegenden, unvergesslichen Eindrücken beschenkt. Yukon Natur pur!

Der bärenstarke Yukon

Ich habe schon viele Reisen in den Yukon gemacht, habe schon viele Mensche durch den Yukon geführt und dabei eigentlich immer die Erfahrung gemacht, dass die Begegnung mit einem Bären ganz oben in der Erwartungshaltung steht.

Eine Reise in den Yukon ohne Bärensichtungen, ist wie eine Suppe ohne Salz! Elche, Luchse, Wölfe und Konsorten sind nicht so wichtig, werden aber natürlich gerne „mitgenommen“. Hauptsache ist und bleibt aber der Bär. Am liebsten natürlich ein Grizzly. Aber ein Schwarzbär tut es natürlich auch. Bär ist Bär! Lassen Sie uns deswegen ein wenig über die Bären im Yukon reden.

Im Yukon kommen eigentlich 4 Bärenarten vor. Drei sind uns allen bekannt, die 4. ist gerade am Entstehen.  Der Eisbär kommt ganz im Norden des Yukon vor. Am Nordende des Ivvavik Nationalparks bzw. auf Herschel Island im Nordpolarmeer. Die wenigsten Yukon-Besucher werden die Chance haben, den Eisbären „life“ zu sehen – wobei – mir ist schon mal einer im Sommer auf dem Dempster Highway über den Weg gelaufen.

Aber der hatte sich echt verlaufen und wurde von Rangern per Helikopter wieder ans nördliche Küstengebiet verfrachtet. Am häufigsten werden Sie im Yukon wohl auf den Schwarzbären treffen, der in Westkanada in drei Formen rumläuft. Einmal in schwarz, dann macht er seinem Namen natürlich alle Ehre. Manchmal tritt der Schwarzbär aber auch in braun oder blond auf, und dann ist so ein Schwarzbär ganz leicht mit einem Grizzly verwechselbar.

Hat der Schwarzbär eine eher rötliche Färbung, dann bezeichnet man ihn als Cinnamon Bear, also als Zimt Bär. Und last but not least , eine echte Schwarzbär-Rarität, von der auch die meisten Yukoner nichts wissen, der Gletscher-Blaubär.

Fressen für den Winterspeck. Ein Schwarzbär lässt sich die leckeren, süßen Löwenzahnblüten schmecken. Foto Holger Bergold
Fressen für den Winterspeck. Ein Schwarzbär lässt sich die leckeren, süßen Löwenzahnblüten schmecken. Foto Holger Bergold

Wenn Sie jetzt denken, ich nehme Sie auf den Arm, dann googlen sie ihn einfach mal. Es ist eine Schwarzbären-Unterart, die ganz hervorragend an die glazialen Regionen des Yukon und von Alaska angepasst ist. Fast weiß in der Farbe, jedoch mit einem bläulichen und an Eis erinnernden Unterton. Wenn Sie so einen vor die Linse bekommen, ist das quasi wie ein Sechser im Lotto. 

Der Grizzly oder amerikanischer Braunbär ist der König im Yukon und steht in der Nahrungskette an oberster Stelle. Er hat ein symptomatisches Muskelpaket direkt über den Schultern, frisst alles, rund um die Uhr, wird zwischen 100 und 400 Kilogramm schwer und zwischen 180 cm – 240 cm hoch, wenn er sich auf die Hinterbeine stellt.

Eine Unterart des Grizzlys ist der sogenannte Kodiakbär, der in den Küstengebieten Alaskas lebt und sich hauptsächlich durch seine Größe, bedingt durch eine sehr eiweißreiche Ernährung – nämlich viel Lachs – unterscheidet. Er wird zwischen 200 und 680 Kilogramm schwer, 200 cm – 260 cm hoch und lässt Sie sicher in ehrfurchtsvolle Schockstarre fallen, wenn er sich vor Ihnen aufrichtet und sich auf die Hinterbeine stellt.

Auf Du und Du mit dem Grizzly. Natur pur im Yukon. Foto Holger Bergold
Auf Du und Du mit dem Grizzly. Natur pur im Yukon. Foto Holger Bergold

Beide Spezies, Grizzly- und Schwarzbären, haben natürlich auch jede Menge Gemeinsamkeiten. Beide sind Allesfresser und Vielfraße. In den Monaten April bis Ende Oktober/Anfang November fressen sie eigentlich rund um die Uhr, mit kurzen Unterbrechungen für ein kleines Nickerchen.

In dieser Zeit müssen sie sich all das Fett anfressen, das sie im langen Winterschlaf wieder verlieren.  Der Geruchsinn der Bären ist legendär und etwa 80-mal besser als der von Hunden. Die Paarung erfolgt zwischen Mai und Juli – ansonsten sind Bären absolute Einzelgänger.

Ist eine Bärin schwanger, erfolgt die Einnistung der befruchteten Eizelle erst im Oktober und auch nur dann, wenn die schwangere Bärin gut genährt ist, denn sie gebärt und säugt im Winterschlaf ohne jegliche Nahrungszunahme. Und das bedeutet, dass Schwarz- und Grizzlybären im Herbst täglich bis zu 30.000 Kalorien zu sich nehmen müssen.   

Alle Bären sind hervorragende Schwimmer und können, je nach Bären Art, zwischen 20 und 400 km am Stück schwimmen. Beide Spezies sind sehr intelligent und neugierig. Sie sehen genau so gut wie wir Menschen, hören aber wesentlich besser.

Und wenn Sie den Bären sehen, sieht er Sie auch, hat Sie aber schon lange vorher gehört und schon viel, viel länger vorher gerochen, wenn der Wind mitspielt. Sie wirken oft träge, wenn man sie am Straßenrand friedlich grasen sieht, sie können aber – glauben Sie es mir ruhig – in Sekundenbruchteilen auf Supersprint umschalten und fast 15 Meter pro Sekunde zurücklegen.  

Obwohl er kleiner ist als der Grizzly hinterlässt der Schwarzbär beeindruckende Spuren. Foto Holger Bergold
Obwohl er kleiner ist als der Grizzly hinterlässt der Schwarzbär beeindruckende Spuren. Foto Holger Bergold

Die beste Zeit, Grizzly- und Schwarzbären im Yukon zu sehen, ist Mitte Mai bis Mitte Juni bzw. Ende August bis Mitte Oktober. Im Frühjahr kommen die Bären nämlich aus ihrer Höhle und fangen an – ähnlich unserer Hunde und Katzen, wenn sie eine Magenverstimmung haben – Gras zu fressen.

Das beruhigt die Magennerven kolossal und kurbelt nach dem langen Winterschlaf die Bären-Verdauung wieder richtig an. Und da man im Yukon meist links und rechts der Traumstraßen mit Gras bewachsene Waldbrand-Feuerschneisen angelegt hat, auf denen auch häufig der von allen Bären heiß geliebte Löwenzahn wächst, sieht man Bären im Frühjahr häufig am „Gras- und Löwenzahnsalat-Buffet“ links und rechts der Highways. 

Auch im Herbst, wenn die Beeren reif sind stehen Bären in den Büschen und naschen die süßen Früchte. All die Bären, die nicht in der Nähe von Lachsflüssen zugange sind, müssen den notwendigen Kalorienschub für die Überwinterung über Beeren, Gräser und Wurzeln zu sich nehmen, außer, sie ergattern einen Elch oder ein Karibu. Erdhörnchen, die sie öfter mal kurzfristig aus dem Bau buddeln, sind da eher beliebte Power-Snacks.  

So, und jetzt zur 4. Bären Art! Wahrscheinlich bedingt durch die ständige Erderwärmung teilen sich Eis- und Grizzlybären schon seit geraumer Zeit gemeinsame Habitats. Und irgendwann hat dann wohl mal eine rallige Bärin einen von der anderen Sorte rangelassen und Wumm – schwanger.

Nach und nach sind dann wohl auch andere auf den Geschmack gekommen und so entstehen dort oben im nördlichsten Yukon und in Alaska sogenannte Bären-Hybriden. Beim Namen streitet man sich noch. Nennt man sie Pizzlys (also von Polarbear und Grizzly) oder Grolar Bear. Yukon Natur verrückt!

Und da die daraus hervorgegangenen Hybriden fortpflanzungsfähig sind, entsteht jetzt dort oben in aller Stille diese neue Bären Art. Sie sind meist weiß wie Eisbären, haben aber das für Grizzlybären so typische Muskelpaket über den Schulterblättern. Zudem gelten sie als äußerst aggressiv. 

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Auf was ist bei Bärenbegegnungen zu achten?

Wenn ich durch die fantastische Natur des Yukon wandere oder draußen in der Wildnis übernachte, dann habe ich grundsätzlich Bärenspray griffbereit. So ein Bärenspray ist nichts anderes als ein hoch dosiertes Pfefferspray, das äußerst aggressiv auf die sensiblen Nasen und Augen der Bären wirkt und so meist einen Angriff abbrechen lässt.

Übrigens, so ein Bärenspray gilt als Waffe und ist gefährlich, wenn man sie falsch einsetzt. Aber letztendlich ist das Spray in jedem gut sortierten Laden im Yukon zu erwerben. Es kostet so um die CAD $ 45 und das Spray muss bei Abreise aus Kanada dort verbleiben. 

Wer kein Bärenspray auf seine Wanderungen mitnehmen möchte, der kann im Yukon auch einen sogenannten Bear Banger käuflich erwerben. Dabei wird eine Patrone auf einen Stift geschraubt und im Bedarf abgeschossen. Die Patrone explodiert zirka 50 Meter vom Abschusspunkt mit lautem Knall und Blitz.

Recht gefahrlos in der Handhabung. Man muss nur darauf achten, dass die Patrone vor dem Bären explodiert, sonst treibt man ihn auf sich zu.

Und dann wäre da noch das beliebte Bärenglöckchen am Rucksack. Das hilft natürlich, wenn ein Bär in der Nähe ist, es hört, und er dem Geräusch aus dem Weg geht. Sind aber kleine Bärchen in der Nähe, hat er Beute gerissen oder in der Gegend vergraben, dann hilft das Glöckchen eher nicht.

Ein wichtiger Schutz beim Wandern oder sonstigem Aufenthalt im Bärenland, das Bärenspray. Foto Holger Bergold
Ein wichtiger Schutz beim Wandern oder sonstigem Aufenthalt im Bärenland, das Bärenspray. Foto Holger Bergold

Mein Motto ist: Wer durch die Wildnis zieht und nur auf das Bärenglöckchen vertraut, der muss schon Wander-Homöopath sein und jede Menge Gottvertrauen haben. Generell gilt, dass alles Fressbare weit vom Lagerplatz entfernt gelagert und geruchsicher verpackt sein muss. Und laufen Sie auch nicht voll parfümiert durch die Landschaft, Sie wissen ja, Bären riechen alles – und Moskitos ebenfalls.

Zu empfohlenen Verhaltensweisen im Umgang mit Bären lege ich Ihnen übrigens das „Einmaleins für Bärenbegegnungen“ nahe. Diese Broschüre gibt es in jedem Visitor Centre im Yukon kostenlos und in deutscher Sprache. Sie können den Textinhalt der Broschüre natürlich schon im Vorfeld Ihres Yukon-Urlaubs von den Internetseiten des Government Yukon herunterladen.  

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Yukon Natur pur: Flower Power bis zum Horizont

Wer schon einmal die unbeschreibliche Schönheit der Pflanzenwelt im Yukon mit eigenen Augen gesehen hat, der wird immer wieder kommen. Hier, fern jeglicher Zivilisationseinflüsse, scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.

Sie werden gefesselt vom Anblick der Schätze, die die nordische Flora in den kurzen Sommermonaten explosionsartig enthüllt. Gebirgszüge, Seen und Flüsse bis hin zu den grenzenlosen Weiten der arktischen Tundra sind hier zu einem Wunderwerk der Natur vereint.

Inmitten dieser blühenden Vielfalt ergreift Sie das tiefe Bewusstsein, erst jetzt das Wunder der Schöpfung richtig zu begreifen. Auf Ihren Wanderungen tief in die urtümlichen, ungezähmten Landschaften werden Sie den Begriff Freiheit neu definieren.

Naturschutzgebiete, wie der leicht erreichbare Kluane National Park und der Tombstone National Park oder die etwas entfernter liegenden Vuntut und Ivvavik National Parks, bieten jedem, der die Natur liebt, eine einmalige Chance, die faszinierende, üppige Pflanzenwelt in immer wechselnden farbigen Szenarien in sich aufnehmen zu können. Yukon Natur im Farbenrausch!

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Moose, Elk, Elch – was ist was?

Wenn man im Yukon über „Elks“ redet, denkt so mancher Urlauber, man spräche über einen Elch. Weit gefehlt. Obwohl man im britischen Englisch einen Elch tatsächlich als „Elk“ bezeichnet, ist ein „Elk“ in Kanada kein Elch, sondern ein Wapitihirsch (Cervus canadensis).

In Europa zählt diese Hirschart zu den Rothirschen, in Kanada werden sie aber viel größer wie ihre Kollegen bei uns. Seinen nordamerikanischen Namen Wapiti hat er von den Shawnee First Nations.

In deren Sprache bedeutet „Wapiti“ nämlich „weißes Hinterteil“, und genau so ein Hinterteil haben diese Großhirsche, die bis zu 450 Kilo schwer werden können.

Was für eine stolze Erscheinung, ein stattlicher Elk-Bulle, wie der Wapiti in Kanada überwiegend genannt wird. Foto Holger Bergold
Was für eine stolze Erscheinung, ein stattlicher Elk-Bulle, wie der Wapiti in Kanada überwiegend genannt wird. Foto Holger Bergold

Was wir in Deutschland als Elch bezeichnen, ist in Nordamerika ein „Moose“ (Alces alces). Der nordamerikanische Elch ist die größte, lebende Hirschart. Elchbullen werden im Yukon in etwa 3 Meter lang, haben eine Schulterhöhe von bis zu 2 m 30 cm und können an die 800 kg wiegen.

Im September 2014 schoss Heinz Naef aus Dawson City am Stewart River einen Elchbullen mit einer Weltrekord-Geweihbreite von sagenhaften 6 m 73 cm. Stellen Sie sich einmal vor, so ein Bursche läuft Ihnen über den Weg. Yukon Natur extrem!

Da ist absolute Vorsicht angesagt, speziell, wenn die Jungs im September und Oktober in der Brunft sind. Dann seht denen alles im Weg und wird notfalls angegriffen und überrannt.

Kein Wunder also, dass in Kanada jährlich wesentlich mehr Menschen durch Zwischenfälle mit Elchen als mit Bären verletzt bzw. getötet werden. Die meisten Unfälle natürlich bei Kollisionen zwischen Elch und Auto.  

Elche kann man im Yukon rund ums Jahr sehen. Laut den letzten Schätzungen gibt es im Yukon zwischen 70.000 und 80.000 Elche. Am besten sieht man sie morgens und abends in Seen und Tümpel, wo sie im Wasser stehen und zarte Wasserpflanzen fressen.

Da lacht das Elch-Herz, denn die großen Hirsche lieben die zarten und saftigen Wasserpflanzen über alles. Foto Holger Bergold
Da lacht das Elch-Herz, denn die großen Hirsche lieben die zarten und saftigen Wasserpflanzen über alles. Foto Holger Bergold

Für diesen Leckerbissen tauchen Elche sogar bis zu acht Meter tief. Aber sie fressen auch liebend gerne die zarten Sprossen von Pappeln, Birken und Weiden. Elchkühe bringen ihre Jungen im Frühjahr auf die Welt.

Yukon-Besucher treffen da besonders im Mai und Juni auf Elchmamas mit Nachwuchs. Eine ganz besonders „elchreiche“ Traumstraße ist der Silvertrail, der vom Klondike Highway in Stewart Crossing Richtung Osten nach Keno führt.

An diesen Abdrücken der breiten Elchhufe sieht man schön, dass sich die Tiere auch gut im sumpfigen Gelände fortbewegen können. Foto Holger Bergold
An diesen Abdrücken der breiten Elchhufe sieht man schön, dass sich die Tiere auch gut im sumpfigen Gelände fortbewegen können. Foto Holger Bergold

Und zum Schluss noch was Kurioses. Im Yukon und in Alaska wird in einigen Kunsthandwerklädchen Elchschmuck-Halsketten und Ohrringe verkauft. Wenn Sie jetzt denken, die werden aus dem Elchgeweih hergestellt, irren Sie sich.

Er wird aus getrockneter Elchkacke hergestellt, sieht echt schick aus und riecht definitiv nicht. Das wär` doch mal ein Mitbringsel für die geschätzte Schwiegermutter, gell? 

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Die Dall-Schafe von Thechäl Dhäl – ein besonderer Teil von Yukon Natur

Im Frühjahr, wenn die Tage länger werden und die Dunkelheit der langen Winternächte ihrem Ende zugeht, kommt der Tag, an dem das Sonnenlicht einen Hauch von Wärme birgt und der Wind nicht mehr eisig wie ein Messer schneidet.

Der Schnee auf den Berghöhen beginnt zu schmelzen und legt Flecken gefrorener Erde darunter frei. An den kargen, nach Süden ausgerichteten Hängen von Thechäl Dhäl am nördlichen Ende des Kluane Nationalparks wird der ausgetrocknete Boden jetzt vom Schmelzwasser befeuchtet.

Dies reicht bereits aus, damit Salbei, der an diese trockenen, windgepeitschten Hänge gewachsen ist, grün wird. Für die Dall-Schafe, die sich hier lange Wintermonate mit verdorrtem Salbei, Blättern und Spitzen von Weidenzweigen verdingt haben, die sie mühsam unter dem harschen Schnee hervorgekratzt haben, beginnt jetzt das dringend benötigte Schlaraffenland.

Sie müssen sich jetzt mit ausreichend Nahrung die Körperfettreserven wieder aufbauen, die sie im Winter verloren haben. Zu dieser Zeit ziehen sich mehr und mehr Mutterschafe in die Einsamkeit der nahe gelegenen Felsformationen zurück, um zu gebären.

Nur wenige Tage nach der Geburt kommen sie dann mit ihren Lämmchen wieder auf die Hänge zurück, um sich wieder am frischen Grün gütlich zu tun. Während der Zeit der frühen Kinderstube wird von den Müttern jede Menge Aufmerksamkeit abverlangt, denn die Bedrohung durch hungrige Raubtiere wie Grizzly- und Schwarzbären oder auch Kojoten, Wölfe und Adler ist allgegenwärtig. 

Bis die Sonnenwende den kurzen nördlichen Sommer einleitet, sind die Schafe der sich zurückziehenden Schneegrenze und der frisch aufkommenden Vegetation zu den Sommerweiden im Hochland gefolgt.

Dall-Schafe im Kluane Nationalpark. Foto: Government of Yukon

Die Mutterschafe mit neugeborenen und einjährigen Lämmern wandern in Kindergartengruppen, während die ausgewachsenen Widder mit ihren spiralförmigen Hörnern in getrennten Junggesellenherden wandern.

Wenn der Sommer dann in den Herbst übergeht, werden die Tage kürzer und die Temperaturen sinken. Im Hochland sammelt sich jetzt wieder Schnee an und schiebt die Schafe zurück zu den Hängen des Thechäl Dhäl mit Blick auf das Ä´äy Chù´Valley.

Dies ist der „Shakat“, die traditionelle Herbsterntezeit der First Nations. Sie fällt zusammen mit der Brunftzeit der Schafe, Elche und Hirsche. Wenn die Widder nach einem nahrhaften Sommer voller Energie und in Topform sind, kämpfen sie um ihren Harem.

Und wenn dann die ständigen Winde, die von den Gletschern herabblasen, wieder schneidend werden und der Herbst langsam in den langen Winter übergeht, beginnt der Lebenszyklus beginnt von vorne.

Der Name „Thechäl Dhäl“ stammt übrigens aus der Sprache der Southern Tutchone und bedeutet eigentlich „Hautabschaber Berg“. Früher wurde der Berg „Sheep Mountain“ genannt.

Wer Bergschafe beobachten möchte, dem empfehle ich, von Haines Junction aus auf dem Alaska Highway Richtung Burwash Landing zu fahren. Nach etwa 70 km kommt dann auf der linken Seite die Ausfahrt zum Thechäl Dhäl Visitor Centre.

Dort gibt es jede Menge Information zu Dall-Schafen und die Park Wardens vor Ort wissen immer, wo sich die Schafe aufhalten. Dort gibt es auch kostenlose Ferngläser, durch die man den Schafen näher kommt, ohne sie zu stören.

Übrigens: dem aktiven Urlauber empfiehlt sich auch durchaus eine Wanderung auf den Sheep Mountain. Tolle Ausblicke und mögliche Nah-Schaf-Sichtungen sind die Belohnung. Yukon Natur mit Schaf!

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Von Wölfen, Kojoten, Luchsen und Co.

Egal zu welcher Jahreszeit Sie durch den Yukon reisen, die Chance, am Straßenrand einen Kojoten, Wolf oder Luchs zu sehen ist immer vorhanden. Oft höre ich von Urlaubern, sie hätten auf ihrer Yukon-Rundreise einen Wolf gesehen und oft zeigen sie mir dann ganz stolz ein schnell geschossenes Bild.

Und zu einem sehr hohen Prozentsatz muss ich sie dann etwas enttäuschen, denn sie haben keinen Wolf gesehen, sondern einen der wirklich zahlreichen Kojoten. Aber wie gesagt, ich enttäusche sie dann nur „etwas“, denn tatsächlich wird der nordamerikanische Kojote auch als Präriewolf oder Steppenwolf bezeichnet. 

Echte Wölfe sind mächtiger, scheuer und sie leben in Familienverbänden. Einen Wolf zu sehen und den auch noch zu fotografieren ist ein echter Glücksfall, denn sie meiden normalerweise den Menschen und halten sich meist in der entlegenen Wildnis auf.

Im Winter allerdings, wenn es bitterkalt ist und die Temperaturen unter 40 Grad Celsius fallen, trauen sie sich schon mal an menschliche Behausungen ran und „holen“ sich dann eine streunende Katze oder einen Hund, der im Freien nächtigt.

Auch passiert es ab und zu, dass eine läufige Hündin einen Wolf anlockt und er sich mit ihr paart. Daraus entstehen dann die halbwilden Wolf-Hybriden, über die schon Jack London in seinen Romanen „Wolfsblut“ und „Ruf der Wildnis“ schreibt (übrigens tolle Lektüren für Ihren Yukon-Urlaub!).

Bedingt durch die permanente Erderwärmung haben sich auch die Habitate von Pumas immer weiter Richtung Norden verschoben und so erstaunt es nicht, dass auch im Yukon schon einige Puma-Sichtungen erfolgten.

Eine wunderschöne Katze, die sich dem Menschen nur relativ selten zeigt. Foto Holger Bergold
Eine wunderschöne Katze, die sich dem Menschen nur relativ selten zeigt. Foto Holger Bergold

Sie sind zwar noch relativ selten, aber sie nehmen zu. Der Puma ist eine Wildkatzenart, die in Nord-, Mittel und Südamerika verbreitet ist. Der Puma-Bestand scheint zumindest derzeit ungefährdet, denn Pumas sind hervorragende Jäger und Kletterer. Auch im Yukon werden sie sich erfolgreich etablieren, denn ihre Beutetiere sind noch nicht mit der unbekannten Gefahr vertraut.

Eine weitere Katzenart im Yukon ist der Luchs, den man doch recht häufig und eigentlich überall sieht. Speziell, wenn die Schneehasenpopulationen im Steigen begriffen ist. Und diese Schneehasen-Populationszahlen unterliegen einem Zehnjahres-Zyklus, dem die Luchs-Population in einem zweijährigen Abstand folgt.

Auch Luchse sind hervorragende Jäger und überleben selbst die kältesten Winter recht erfolgreich. Neben Schneehasen jagen sie auch alle Arten von Kleintieren. Dabei hilft ihnen ihr hervorragendes Gehör. Sie hören so gut, dass sie selbst Mäuse auf deren Streifzüge unter der Schneedecke aufstöbern können. Yukon Natur mit Katze.

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Yukon Gold und Beerencocktails

DieFormenwelt der Pflanzen und die Farbenpracht der Blumen lassen den Yukon in jedem seiner kurzen, aber intensiven Sommer aufblühen. Ein bunter, sich im Wind wiegender Teppich zieht sich dann über endlose Weiten.

Tiefblaue Lupinen, gelbe Potentilla und wintergrüner Mohn wechseln sich ab. Die Straßen und Wege sind eingerahmt von rosarotem Fireweed, lila gefärbtem Bear Root und federweichem Fox Tail Gras, das sich geräuschlos im Wind wiegt.

Im Juli stehen die meisten Pflanzen in voller Blüte und bieten eine überreich gedeckte Tafel für Schmetterlinge aller Art. Gegen Ende des Sommers beginnen die Beeren zu reifen und überziehen das Land mit einem neuen, von dunkleren und doch leuchtenden Tönen bestimmten Farbspiel.

Millionen von Preisel- und Blaubeeren sind nicht nur eine leckere Bereicherung für das Frühstück von Wanderern und Campern, sondern auch festliche Mahlzeiten für viele Tiere – nicht zuletzt für die immer hungrigen Bären.

In dieser Zeit, die man hier den „Indian Summer“ nennt, färbt sich der Yukon in eine bunte Farbenpalette. Größere Waldgegenden färben sich golden. Es ist die Herbstfarbe der vielen Birken. Yukon Natur mit Leckereien und einer unbeschreiblichen Farbenpracht.

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Das Yukon Wildlife Preserve

Was Sie auf jeden Fall während ihres Yukon-Urlaubs unternehmen sollten, ist, dem Yukon Wildlife Preserve vor den Toren der Hauptstadt Whitehorse einen Besuch abstatten. Das empfiehlt sich vor allem am Anfang oder Ende Ihrer Yukonreise.

Viele Veranstalter im Yukon bieten tägliche Touren ab und bis Whitehorse an. Die 5 km lange Rundtour im Reservat erfolgt in einem kleinen Bus und dauert etwa 1,5 Stunden. Oft werden diese Touren auch mit einem entspannenden Besuch der naheliegenden Hotsprings verbunden.

Elch blickt in die Weite des Yukon Wildlife Preserve
Der Elch blickt in die Weite des Yukon Wildlife Preserve. Foto: Faszika

Im Wildlife Preserve sehen Sie viele der im Yukon lebenden Tierarten in ihrer natürlichen Umgebung. Unter anderem auch Elche, Karibus, Büffel, Füchse, Luchse, Rotwild, Wapitihirsche und, und, und.

Das Wildreservat befasst sich zudem auch mit erfolgreichen Rehabilitationsprogrammen für die dortigen Tierarten, richtet Lehrprogramme für Jung und Alt aus und beteiligt sich an vielen nicht-invasiven Forschungsprojekten. Sie sollten dort wirklich mal vorbeischauen! Yukon Natur mit Tierschutz.

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Holger Bergold
Author

Seit fast vierzig Jahren ist Holger Bergold eng mit Kanada verbunden. Als Verkaufs- und Marketing-Direktor für Canadian Pacific Hotels bereiste er alle Provinzen. 1988 gründete er eine seine Marketing und PR Repräsentanz in Frankfurt und vertritt und berät seither Fluglinien, Reiseziele, Reiseveranstalter und Kunden aus der Industrie. Als Mitglied des Weltenbummler-Filmteams von Schauspieler Hardy Krüger bereiste Holger 1994 erstmals des Yukon Territorium. Noch im selben Jahr beauftragte ihn die Regierung des Territoriums die Interessen des Department of Tourism & Culture im deutschsprachigen Europa zu vertreten. Bis zum heutigen Tage vertritt Holger den Yukon und hat den gesamten kanadischen Norden in der Zwischenzeit kreuz und quer bereist.

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